Forschungsprojekte der Arbeitsgruppe Stadt- und Regionalentwicklung

Laufende Forschungsprojekte

Evaluierung des "LIFE living Natura 2000"-Projektes

Mit den Naturschutzbemühungen der Europäischen Union zugunsten einer vereinheitlichten Gesetzgebung (Vogelschutz-Richtlinie 1979 und FFH-Richtlinie 1992) wurde die Grundlage des so genannten Natura 2000-Netzes und des Schutzes als gefährdet bestimmter Tier- und Pflanzenarten gelegt. Mit Stand aus dem Jahr 2015 bestehen in Deutschland über 5.200 Natura 2000-Gebiete. Im Freistaat Bayern sind es rund 750 entsprechende Gebiete, die knapp 12 Prozent der Landesfläche umfassen und so eine gewisse, nicht zu unterschätzende Flächenwirksamkeit erlangt haben. Schutz und Förderung der biologischen Vielfalt, die in den letzten Jahren stark zurückgegangen ist, stehen im Fokus. Für land- und forstwirtschaftliche Nutzungen kann dies nicht mehr bedeuten, an einer zunehmenden Ausbreitung von Monokulturen festzuhalten, womit sich Grundeigentümer*innen, Bewirtschafter*innen sowie Interessenvertretungen allerdings durchaus in ihrem frei bestimmten Handeln eingeschränkt sehen. Naturschutz und Nutzung geraten in Widerstreit, wozu Umgangsformen zu finden sind. Das Projekt LIFE living Natura 2000 zielt als Kommunikationsvorhaben darauf ab, Nutzen und Bedeutung des Schutzgebietsnetzwerks in Bayern für Gesellschaft und Natur herauszustellen und zu einem Umdenken anzuregen: Natura 2000 als zukunftsweisendes Instrument und nicht als Hindernis.

Das Forschungsteam SRE Stadt- und Regionalentwicklung an der Eberhard Karls Universität Tübingen unternimmt die wissenschaftliche Evaluierung des Projektes, um zu einem Erfolg beizutragen. In mehreren Analysewellen werden in der Initiierungsphase, zu Projektmitte und gegen Ende Ansatzpunkte und Wirkungsgrade bewertet.

Projektleiter: Olaf Kühne und Florian Weber

Projektbearbeitung: Forschungsteams der Projektleiter

Projektdauer: 01.01.2018 - 31.01.2022

Projektträger: Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL)

Projektförderung: EU Life Programme

Projektnummer: LIFE living Natura (LIFE16 GIE/DE/000012)

Beteiligung am EU-Projekt Interreg Alpine Space: LOS_DAMA! – Landschafts- und Freiraumentwicklung in Stadtregionen des Alpenraums (Landscape and Open Space Development in Alpine Metropolitan Areas)

Die Arbeitsgruppe Stadt- und Regionalentwicklung ist für die wissenschaftliche Begleitforschung zum EU-Interreg-Projekt "LOS_DAMA!" verantwortlich.

Wachsender Landnutzungsdruck in den Stadtregionen des Alpenraums erfordert neue Strategien für den Schutz und die nachhaltige Entwicklung der Natur- und Kulturgüter in peri-urbanen Landschaften. Dieses Ziel soll durch die Entwicklung einer vernetzten und multifunktionalen peri-urbanen grünen Infrastruktur (PUGI) erreicht werden. Im Mittelpunkt des LOS_DAMA!-Projekts stehen sieben Pilotvorhaben in den Partnerstädten, in denen PUGI durch Beteiligung der regionalen Akteure in innovativen Planungsansätzen weiterentwickelt oder verbessert werden. Das LOS_DAMA!- Projekt erprobt die Anwendung und Evaluierung multifunktionaler Lösungen, die Beteiligung von Stakeholdern und die verstärkte Zusammenarbeit auf unterschiedlichen Planungsebenen. Darüber hinaus sollen Umsetzungsbarrieren durch partizipative Ansätze überwunden werden. Die Pilotprojekte werden durch das LOS_DAMA!-Netzwerk der Projektpartner und Beobachter unterstützt und wissenschaftlich begleitet.

Die EKUT wird in Zusammenarbeit mit den Projektpartnern zu den Wissensgrundlagen für die Entwicklung von PUGI beitragen und lokales Know-how fördern, um die Entwicklung von innovativen PUGI-Ansätzen in den Pilotprojekten voranzubringen. Aus der Analyse der Pilotprojekte sollen Schlussfolgerungen gezogen werden, die sich auf peri-städtische Landschaften anderer Stadtregionen übertragen lassen. Ein Workshop zur Weiterbildung junger Fachkräfte sowie wissenschaftliche Arbeiten sollen die weitere Verbreitung des PUGI Ansatzes fördern.

Verbundprojektleitung: Landeshauptstadt München, Referat für Stadtplanung und Bauordnung

Projektkoordination an der Universität Tübingen: Olaf Kühne

Projektumsetzung: Karsten Berr und Corinna Jenal

Projektlaufzeit: 01.11.2016 bis 31.10.2019

Projektförderung: EU-Interreg Alpine Space

Kooperationspartner: Grenoble-Alps Metropolis, Frankreich; Stadt Wien, Österreich; Salzburger Institut für Raumordnung und Wohnen, Österreich; Stadt Trient, Italien; Piemont Region, Italien; Institut für Stadtplanung der Republik Slowenien, Slowenien; Technische Universität München, Deutschland; Grenoble-Alps Universität, Frankreich; Stadt Zürich, Schweiz; Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, Deutschland; Europäische Metropolregion München, Deutschland; CIPRA International, Liechtenstein; Verein Niederösterreich/Wien, Österreich; Stadt Salzburg, Österreich; Edmund Mach Stiftung, Italien; Autonome Provinz Trient, Italien; Metropolitanstadt Turin, Italien; ISPRA – Italienisches Nationalinstitut für Umweltschutz und --Forschung, Italien; Provinz Bergamo, Italien; und Laibacher Moor Landschaftspark, Slowenien

Projektförderung: Dieses Projekt wird von der Europäischen Union über den Interreg Alpine Space kofinanziert (EU-Interreg Alpenraumprogramm, Priorität 3 - Lebenswerter Alpine Space, Spezifisches Teil 1 – Nachhaltige Inwertsetzung des Natur- und Kulturerbes)

Gesamtbudget: 2.598.520 EUR, EFRE claim 2.208.742 EUR

Den Flyer zum Projekt finden Sie hier.

Analyse der Interaktionsprozesse zwischen Landes- und Regionalplanung, Politik und Unternehmen der Gesteinsindustrie

Landes- und Regionalplanung definieren maßgeblich Rahmenbedingungen, unter denen rohstoffgewinnende Unternehmen ihre wirtschaftlichen Tätigkeiten ausüben. Die zur übertägigen Rohstoffgewinnung benötigten Flächeninanspruchnahmen werden zunehmend einer kritischen Bewertung unterzogen. Landes- und Regionalplanung sind mit konkurrierenden Flächennutzungsansprüchen konfrontiert, denen es zu begegnen gilt. Prozesse der politischen Willensbildung und der planerischen Gestaltung in Bezug auf Rohstoffgewinnung wurden bislang ebenso wenig wissenschaftlich untersucht, wie die Auswirkungen der Willensbildung auf den Einsatz neuer (partizipativer) Methoden. Das Zusammenspiel von Politik, raumbezogener Planung und Unternehmen der Gesteinsindistrie wird im Projekt in den Fokus gerückt.

Projektleiter:  Olaf Kühne

Projektkoordination und -bearbeitung: Hannah Kindler

Projektdauer: 01.10.2018 - 31.07.2020

Projektträger: Forschungsgemeinschaft Mineralische Rohstoffe e.V.

Projektförderung: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen "Otto von Guericke" e.V.

Abgeschlossene Forschungsprojekte

Längsschnittstudie zur Wahrnehmung von Alt-und Totholz sowie zur symbolischen Konnotation von Wald

Die biologische Vielfalt in saarländischen Wäldern wird durch die Erhaltung von Alt- und Totholzbiozönosen im Rahmen einer nachhaltigen Forstwirtschaft sichergestellt. Dieser Entwicklungsprozess beinhaltet eine Veränderung des Landschaftsbildes. Der Wald wird eventuell von Waldnutzern als „unaufgeräumt“ oder „weniger schön“ empfunden. Wahrnehmung ist jedoch stets subjektiv, auch Landschaft entspricht objektiv keinen ästhetischen Idealen wie empirische Untersuchungen gezeigt haben. Die Wahrnehmung von Landschaft ist individuell konstruiert und durch Sozialisierung geformt. Dieses soziale Konstrukt von Ästhetik existiert nicht als allgemeingültiger Konsens, sondern orientiert sich immer am Kontext und des jeweiligen Lebensstils.

Wer definiert eine Landschaft als „schön“ und warum nimmt er diese als „schön“ wahr? Was geschieht, wenn sich Landschaft verändert? Warum werden manche Veränderungen akzeptiert und andere abgelehnt? Wirkt sich das Wissen über die Erhaltung der biologischen Vielfalt auf die Art und Weise der Landschaftswahrnehmung aus? Die Wahrnehmung und Bewertung von Landschaftskonstruktionen ist vielfältig. Ipsen legt drei Dimensionen fest, die Landschaftswahrnehmung klassifizieren: kognitiv, ästhetisch und emotional. Das Wissen über eine Verbesserung der Artenvielfalt durch Totholz in Wäldern und eine damit verbundene positive Wahrnehmung von Wäldern kann beispielsweise der kognitiven Dimension zugeordnet. Die ästhetische Dimension weist auf Auswirkungen auf das Bild von Landschaft hin und die emotionale Dimension wird deutlich, wenn beispielsweise ein Heimatverlust durch Landschaftsveränderungen befürchtet wird.

Zielstellungen und Vorgehensweise

Die sozialwissenschaftliche Evaluierung hat zum Ziel, die Konstruktion der Wahrnehmung der Alt- und Totholzvorkommen in den saarländischen Wäldern zu analysieren und die symbolische Konnotation von Wald als Metapher für Natur unter dem Aspekt der biologischen Vielfalt und des Waldschutzes zu untersuchen. Die Wirksamkeit der Kommunikations- und Informationsstrategien sowie die Öffentlichkeitsarbeit im Rahmen des Projektes werden untersucht. Dies geschieht anhand einer Längsschnittanalyse, in der die Wahrnehmung von Alt- und Totholz in der saarländischen Bevölkerung zu unterschiedlichen Zeitpunkten (im Verlauf des Projektes) analysiert wird. Somit soll einerseits die Wirkung der Öffentlichkeitsarbeit evaluiert und andererseits eine mögliche Wahrnehmungsveränderung aufgezeigt werden. Detaillierte Handlungsempfehlungen und Strategien werden auf Basis der Wahrnehmungsanalyse entwickelt, die zu einer zielgruppengerechten Informations- und Kommunikationsstrategie führen werden.

Projektleiter: Olaf Kühne

Projektbearbeiter: Corinna Jenal

Projektdauer: 01.07.2013 - 31.12.2018

Projektförderung: NABU Saarland e.V.

Stadt – Raum – Planung: Dynamisierung und Innovationssteigerung der Lehre zu Stadtgeographie und Raumplanung durch Blended Learning

Nur mit einer zeitgemäßen, forschungs- und praxisaktuellen Lehre können Geographinnen und Geographen für vielfältige und komplexe Tätigkeitsfelder ausgebildet werden. Dies setzt in der heutigen, zunehmend digitalen Welt voraus, auch die Medienkompetenzen und vernetzenden Fähigkeiten zu stärken. Der Forschungsbereich Geographie setzt daher auf eine Digitalisierung unter Nutzung online basierter Lehr- und Lerninhalte zur Adaption, Diversifizierung und gleichzeitig zur Kompetenzsteigerung der Studierenden. Digitale Online-Anteile sollen das humangeographische Lehrinstrumentarium erweitern. Unser Projekt zielt darauf ab, konkretisiert innerhalb der Module "GEO 22: Stadtgeographie" und "GEO 45: Raumplanung und Berufspraxis", interaktive Lehr- und Lernumgebungen zu implementieren und webbasierte Trainings-Elemente zu entwickeln. Lern- und Kompetenzziele innerhalb von GEO 22 und GEO 45 stellen den konkretisierten Ausgangspunkt für die zu entwickelnden Blended Learning-Aktivitäten dar, die sich an den grundlegend zu vermittelnden Inhalten orientieren. Angestrebt wird eine Verbindung aus Präsenzzugang und Online-Learning-Arrangements, um Fähigkeiten zu fördern und Lehransätze weiterzuentwickeln.

Projektleiter: Olaf Kühne und Florian Weber

Projektbearbeiterin: Hannah Kindler

Projektdauer: 01.10.2017 - 30.09.2018

Projektförderung: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) innerhalb des Projektes "Erfolgreich studieren in Tübingen (ESIT)"

Region Stuttgart: Integration durch Information – neue Wege für die Regionalentwicklung

Die Wahrnehmung von Raum ist individuell unterschiedlich. Abhängig von Faktoren wie der persönlichen Sozialisation, dem kulturellen Hintergrund und der aktuellen Lebenssituation entstehen unterschiedliche Ansprüche in Bezug auf Landschaft. Diese Erkenntnis soll bei der im Masterplan Schönbuch vorgesehenen Aufwertung der Museumsroute, einem interkommunalem Rad- und Wanderweg im Süden Stuttgarts, Beachtung finden. Im Rahmen eines interdisziplinären Landschaftslabors wird dabei in Zusammenarbeit mit Master-Studierenden der Humangeographie erfasst, welche besonderen Interessen und Bedürfnisse Jugendliche, Migrant(innen), Flüchtlinge und Neubürger(innen) in Bezug auf Landschaft und Umwelt der sogenannten Schönbuchlichtung haben. Das praxisbezogene Forschungsprojekt bildet die Grundlage für eine innovative Gestaltung von Informationsorten, an denen die benannten Besonderheiten der Kulturlandschaft neuen Nutzer(innen)-Gruppen vermittelt und diesen so eine Teilhabe und Aneignung öffentlichen Raumes ermöglicht werden können.

Projektleiter: Olaf Kühne und Florian Weber

Projektbearbeiter: Ante Artukovic

Projektdauer: 01.09.2017 - 31.07.2018

Projektträger: Verband Region Stuttgart

Projektförderung: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) / Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI)

Die Auswirkungen der sozialen Akzeptanz auf den Abbau mineralischer Rohstoffe

Der Abbau mineralischer Rohstoffe ruft häufig Proteste in der lokalen Bevölkerung und unter Naturschützern hervor. Großer Kritikpunkt der Gesteinsabbau-Gegner ist häufig neben dem vermehrten Aufkommen von Lärm, Staub, Verkehr und Umweltgefährdungen die entstehende Landschaftsveränderung, die viele als „hässlich“ empfinden und die als „Zerstörung des Landschaftsbildes“ wahrgenommen wird. Landschaft wird hier als „starr“ aufgefasst – so als ob der aktuelle Zustand „eingefroren“ wäre. Dabei vollzogen und vollziehen sich bis heute immer wieder Landschaftsveränderungen.

Gerade sozialkonstruktivistische Analysen setzen an diesen Veränderungsprozessen und unterschiedlichen Deutungen von Landschaft an. Sie bieten entsprechend auch das Potenzial, Kritikpunkte der Gegner des Abbaus mineralischer Rohstoffe zu systematisieren, den Gründen für ihre Deutungsmacht nachzuspüren und gleichzeitig herauszuarbeiten, welche Landschaftsveränderungen aus welchen Gründen akzeptiert werden, um so auch zu einer Akzeptanzsteigerung des Abbaus mineralischer Rohstoffe beizutragen.

Die übergreifende Zielsetzung des Forschungsvorhabens liegt darin, positive und negative Einflussfaktoren für die soziale Akzeptanz des Abbaus mineralischer Rohstoffe vor dem Hintergrund einer sozialkonstruktivistischen Landschaftsperspektive auszudifferenzieren. Darauf aufbauend werden detaillierte Strategien mit Handlungsempfehlungen für zukünftige Maßnahmen zur Akzeptanzsteigerung und Konsequenzen für eine verbesserte Kommunikationsstrategie für die Unternehmen der Gesteinsindustrie abgeleitet. Die Forschungsergebnisse zielen darauf ab, ein neues Kommunikationsverfahren zu entwickeln, das die Akzeptanz zum Abbau mineralischer Rohstoffe bei Bürgern, Planern und Politikern gleichermaßen in den Mittelpunkt rückt.

Projektleiter: Olaf Kühne

Projektkoordination: Florian Weber

Projektbearbeiter: Erik Aschenbrand und Ante Artukovic

Projektdauer: 01.10.2015 - 31.12.2017

Projektträger: Forschungsgemeinschaft Mineralische Rohstoffe e.V.

Projektförderung: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen "Otto von Guericke" e.V.

Landschaftsbild und Energiewende

Ziel des Vorhabens „Landschaftsbild und Energiewende“ war es, auf der Basis einer Betrachtung der landschaftsästhetischen Folgen der Energiewende und ihrer derzeitigen Handhabung in Planungs- und Zulassungsverfahren Vorschläge und Empfehlungen für eine Weiterentwicklung von Bewertungsmethoden zu geben, die zugleich der Tatsache Rechnung tragen, dass eine Wahrnehmung von Landschaft und landschaftlichen Veränderungen individuell sehr verschieden erfolgt.

Vor diesem Hintergrund war auch zu fragen, welche Möglichkeiten einer partizipativen Ausgestaltung landschaftsästhetischer Bewertungen bestehen.

Verbundprojektleiterin: Catrin Schmidt

Projektleiter: Olaf Kühne

Projektkoordination: Florian Weber

Projektbearbeiter: Albert Roßmeier

Projektdauer: 01.10.2015 - 30.06.2017

Projektpartner: Technische Universität Dresden, Hage + Hoppenstedt Partner, Universität Kassel

Projektträger: Bundesamt für Naturschutz

Projektförderung: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit