Waldgewerbe - früher und heute

Einhergehend mit der Besiedlung des Schwarzwaldes wurden auch dessen natürliche Ressourcen genutzt. Jedoch weicht die heutige Nutzung stark ab, da Nachhaltigkeit nicht immer ein Thema war. Harzer, Flößer und Köhler waren nur einige der Berufe, die der Schwarzwald vom Mittelalter bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts hervor brachte. Diese alten Gewerbe lassen sich nur noch in Museumsdörfer, wie den Vogtsbauernhöfen bestaunen.
In der heutigen Zeit dominieren Berufe der Forstwirtschaft und der Tourismusbranche, wobei der Beschäftigtenanteil im forstwirtschaftlichen Bereich auf Grund von hochtechnisierten Erntemaschinen sehr niedrig ist; der Anteil der Beschäftigten in Baden-Württemberg in der Forstwirtschaft lag im Jahr 2008 nach Angaben des Opens external link in new windowLandesamts für Statistik bei 0,36%.
Im folgenden Text sollen einige der verschiedenen Waldgewerbe des Schwarzwaldes vorgestellt werden. Des weiteren soll noch ein Ausblick auf das heutige Waldgewerbe gegeben werden.

Inhalt
Opens internal link in current windowHolzköhlerei
Opens internal link in current windowPottaschsieder
Opens internal link in current windowGlashütten
Opens internal link in current windowFlößer und Rießer
Opens internal link in current windowHarzerei
Opens internal link in current windowWaldgewerbe heute
Opens internal link in current windowLiteraturverzeichnis

Holzköhlerei

Unter der Köhlerei versteht man die Herstellung von Holzkohle durch das  
Verschwelen von Holz in einem Kohlenmeiler. Bei etwa ein Viertel bis ein Fünftel des Gewichts liefert die Holzkohle bei der Verbrennung doppelt so viel Energie wie rohes Holz. Um einen starken Mittelpfahl stellt man 25 Ster (ein Ster entspricht einem Kubikmeter) Buchenholz, die man danach mit frisch gemähtem Gras abdeckt. Später wird der Aufbau mit dunkel-schwarzen ?Lösche? überzogen, einer Mischung aus Holzkohleresten, Kohleasche und Humus. Für die Entzündung wirft der Köhler mehrere Schaufeln voll Glut in den quadratischen Quantelschacht (Feuerschacht), dessen Öffnung sich oben auf dem Kohlemeiler befindet. Durch Luftzufuhr wird versucht den Verkohlungsprozess richtig zu regulieren. Durch das Verkohlen sackt der Meiler in sich zusammen, so dass am Schluss nur noch rund ein Drittel des ursprünglichen Volumens vorliegt. Nach etwa zehn Tagen wird die Holzkohle auseinander gezogen. Bei einer Hitze von circa 600°C sind 25 Ster (25 m³) Buchenholz zu 1500 kg Holzkohle verschwelt. Neben der Gewinnung von Bau- und Brennholz war die Herstellung von Holzkohle zur Versorgung von Erzschmelzen und Schmieden die wichtigste Waldnutzung bis in die frühe Neuzeit. Der Beruf der Köhlerei entwickelte sich in der Bronze- und Eisenzeit. Zu dieser Zeit bildete die Holzkohle den Energieträger für das Schmelzen von Metallen. Der mangelnde Absatz des Holzes, sein geringer Wert und die schlechten Wegverhältnisse förderten das Aufkommen der Holzköhlerei.

Einen eigentlichen Aufschwung erfuhr die Köhlerei im 19. Jahrhundert. Zu dieser Zeit wurde die Holzkohle für die Waffenschmiede, die Gold- und Silberschmiede, für Eisengießereien, Hüttenwerke und Glashütten verwendet. Mit dem Ausbau der Verkehrswege und des Eisenbahnnetzes begann die Einfuhr der ausländischen Holzkohle. Eine entscheidende Veränderung in der Verhüttung des Eisens war der Einsatz von Steinkohle, welche die Holzkohle verdrängte. Zudem gewann der elektrische Strom an Bedeutung und der Bau von Waldstraßen ermöglichte den Abtransport des Holzes in Sägereien. Dadurch sank der Preis einheimischer Holzkohle und der Absatz verschlechterte sich. Während des ersten Weltkriegs erfolgte für die Köhlerei, auf Grund von politischen Einschränkungen für Importe, ein erneuter Aufschwung. In den Nachkriegsjahren sank der Absatzmarkt für Holzkohle. Heutzutage kommt der überwiegende Teil der Fabrikkohle aus den osteuropäische Staaten (vgl. WIR-VERLAG WALTER WELLER 1994; www.koehlerei.ch; www.webgeo.de).

Pottaschsieder

Die historische Bedeutung des Aschenbrenners oder Pottaschsieders im Schwarz-wald lässt sich heute noch an vielen Straßennamen erahnen. Im Ort Forbach, der ca. 12km südöstlich von Baden-Baden liegt, findet man beispielsweise eine Straße mit dem Namen ?Aschenplatz?. Es sind allerdings nicht nur Straßen und Plätze, deren Namen dem Beruf des Pottaschsieders entspringen. Die Aschenbrenner arbeiteten oft mit den Glashütten zusammen. Da auch diese einen sehr hohen Holzbedarf hatten, waren beiden Gewerbe sehr schädlich für den Wald. Durch ihren sehr hohen Kaligehalt war die Pottasche nicht nur bei Glashütten ein sehr begehrter Rohstoff, sondern auch für Schießhütten ein wichtiges Ver-brauchsprodukt. Bei der Herstellung von Glas war sie als Flussmittel unabdingbar. Der Bedarf ging im 19. Jahrhundert erst mit der Erschließung der mittel- und nord-deutschen Kalilagerstätten zurück. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Kaligewinnung nur durch das Verbrennen von Holz möglich. In dicht besiedelten Gebieten in denen Holz ein knappes Gut war, war erwerbsmäßige Aschenbrennerei entweder ganz untersagt oder wurde von einer Genehmigung abhängig gemacht. Bei der Vergabe wurde hierbei allerdings sehr großzügig gehandelt (vgl. HASEL u. SCHWARTZ 2002).

Glashütten

Ein weiteres Waldgewerbe, das den Grundstoff Holz benötigte, waren die Glasmacher, die ihre Hütten direkt im Wald errichteten, um direkten Zugang zu diesem Rohstoff zu haben. Aus einer bestimmten Mischung aus Quarzsand, Pottasche und Kalk konnten sie Glas herstellen. Um diese Zutaten zu einem homogenen Gemisch zu verschmelzen waren große Mengen an Brennholz nötig, weshalb der Standort im Wald aus Gründen des Holztransports unabdingbar war. War das Holz rund um die Hütte aufgebraucht, verließen die Glasmacher ihre Hütten und zogen weiter. An verlassenen Glashüttenstandorten entstanden nicht selten Siedlungen, da hier schon eine gerodete Fläche im ansonsten undurchdringbaren Schwarzwald vorhanden war. Erste Förderer der Glashütten im Schwarzwald waren meist die Klöster und die Stifte ab dem 13. Jahrhundert, die Herstellung im großen Stil fand  aber erst ab dem 17. Jahrhundert statt. Typische Produkte für diese Zeit waren mit Nuppen verzierte Trinkgläser und Fensterglas aus dem charakteristisch grünen Kaliglas, dem sogenannten Waldglas. Neuinnovationen im Bereich der Glasherstellung zur Zeit der Industrialisierung, also gegen Ende des 19. Jahrhunderts, lösten die traditionelle Herstellungstechniken im Schwarzwald ab (vgl. SCHOCH 2001; www.badische-seite.de).

Flößer und Rieser

Ab dem 15. Jahrhundert galt der Schwarzwald als größter Holzlieferant in Deutsch-land. Bis ins 20. Jahrhundert hinein war die Flößerei ein angesehenes und sich lohnenswerte Waldgewerbe. Die Aufgabe der Flößer bestand darin, gefällte Baum-stämme auf Flüssen ins Tal zu bringen. Hierzu unterschied man zwischen der Trift und der gebundenen Flößerei. Bei letzterem wurden unbearbeitete Baumstämme, sowie Bretter und auch Balken in Form eines Floßes zusammengebunden. Man bezeichnete diese Flöße als Gestöre. Diese wurden mit Wieden miteinander verbunden. Bei der Triftflößerei (auch Wildflößerei genannt) wurden einzelne, kurze Baumstämme in das Wasser geworfen. Durch eine eigen erzeugte Flutwelle mit Hilfe von Stauanlagen wurde das Holz flussabwärts befördert. Zudem nutze man das Hochwasser während der Schneeschmelze oder auch nach Regengüssen für die Triftflößerei. Diese Form der Flößerei überwog im Murgtal, obwohl zusätzlich die gebundene Flößerei angewandt wurde. Die benutzen Gewässer der Triftflößerei überwog, da sie in Seitenbächen um einiges weiter hinauf reichte als bei der gebundenen Flößerei. 200  Jahre vor heute waren nahezu keine Wege oder Stege in großen Waldgebieten vorhanden. Meistens handelte es sich um einfache Karren- oder Reitwege. Erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts schufen Forstverwaltungen tragfähige Wege.
Um das gefällte Holz zu den Flüssen oder Bächen zu transportieren, wurden Rut-schen erstellt.  Auf diesen sogenannten Erdriesen (tiefe, bereits vorhandene Rinnen mit starkem Gefälle) donnerten bis zu dreißig Meter hohe Baumstämme den Hang hinunter. Die Baumstämme waren sowohl entrindet als auch entastet und erreichten Maximalgeschwindigkeiten von bis zu achtzig Stundenkilometer. Die Prallwand in den Kurven wurde von den Forstarbeitern (den sogenannten Rieshirten) überhöht, damit die Baumstämme ihre Bahn behielten. Das vorherige Auslegen von Pritschen diente dem Überqueren von Mulden, Bächen und morastigem Gelände. Zuletzt verwendete man Riesen vor 50 Jahren für den Holztransport. Weichen sorgten für das Dirigieren der Stämme in die gewünschte Richtung. Am Auslauf der Erdriesen wurden die Hölzer in Empfang genommen und Rieshirten schleiften sie mit Hilfe von Ochsen und Pferden zu den Polterplätzen, die häufig in der Nähe von Wasserstuben, kleine Seen in denen die Stämme zum Abtransport gesammelt wurden, lagen. Selbstverständlich blieb die Rieserei für die Natur nicht folgenlos, da sie Flora und Fauna der angrenzenden Uferbereiche und Böschungen in Mitleidenschaft zog.  (vgl. SCHEIFELE 2001; SCHOCH 2001; www.schwarzwald.net)

Harzerei

Ein ebenfalls bedeutendes ehemaliges Waldgewerbe im Nordschwarzwald war die Harzerei. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der deutsche Bedarf an Harz durch Importe aus Nordamerika, Frankreich und Portugal gedeckt. Der Krieg führte jedoch zu Behinderungen des Imports, sodass das Harz seither im eigenen Land produziert werden musste. So setzte 1916 im Schwarzwald die Harznutzung in großem Umfang ein. In den folgenden 4 Jahren wurden 207.000 der 273.000 kg, des in Baden-Württemberg gewonnenen Harzes, im Schwarzwald gewonnen, da dieser über die erforderlichen 100 bis 150-Jahre alte Kiefern verfügte. Gewonnen wurde das Harz durch Verwundungen der Borke, welche zum Austritt des Harzes führten, das dann gesammelt werden konnte. Durch Destillation erhielt man die wichtigen Stoffe Terpentin und Kolophonium. Aus Kolophonium, auch als ?Hartharz? bezeichnet, wurden unter anderem Lacke, Seifen, Waschpulver, Kabeldichtungen, Linoleum, Rostschutzmittel, Malerfarben, Schmierfette und ?Öle u.v. m. hergestellt. Terpentin hingegen diente neben weiteren Nutzungen für Wachse, Reinigungsmittel, Parfüm und vor allem synthetischem Kampfer. Letzterer spielte eine wichtige Rolle in der Heilmittelherstellung, wie z. B. Kampferöl für Herz und Kreislauf, aber auch in der Zelluloid-Herstellung. Letzere war in Kriegszeiten nahezu unentbehrlich, da es für photographisches Filmmaterial, aber auch ?nicht splitternden Sichtschutz wie Fenster in Kampffahrzeugen und Flugzeugen oder Schutzbrillen? diente (vgl. SCHOCH 2001).

Waldgewerbe heute

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts rückte die Nachhaltigkeit im Wald in den Vordergrund, da der Raubbau der letzten Jahrhunderte deutliche Spuren im Schwarzwald hinterlassen hatte. So war aus dem ursprünglichen Schwarzwald mit seinen alten und großen Eichen- und Buchenwäldern ein teilweise devastierter Wald geworden. Dieser sollte im Sinne der Nachhaltigkeit aufgeforstet werden, um die Nutzung des Waldes für nachfolgende Generationen sicherzustellen. Jedoch geschah die Aufforstung nicht durch die  natürlichen Vegetation, sondern mit schneller wachsenden Nadelhölzern, vorzugsweiße der Fichte, welche auch heute noch das Bild vom Schwarzwald prägt. Diese Fichtenbestände wurden in sogenannten Altersklassenwäldern angelegt. Ein solcher Wald, zeichnet sich durch eine einheitliche Vegetation und Altersstruktur aus. Diese Waldstruktur ist natürlich aus ökonomischer Sicht zu befürworten, da sie die Holzernte auf einer größeren Fläche zulässt (Kahlschlag).

Jedoch ist aus ökologischer Sicht ein Plenterwald zu bevorzugen, welcher aus unterschiedlichen Baumarten und Altersklassen besteht. Es werden nur einzelne Bäume selektiv geschlagen, um Platz für umliegende Jungbäume zu schaffen oder um selbst als Nutzholz verwendet zu werden. Die Fäll- und Rückearbeiten zur Aufarbeitung der Hölzer hinterlässt auch in einem Plenterwald seine Spuren, da diese Vorgänge mit großen und schweren Maschinen bewältigt werden. Die hochtechnisierten Maschinen gewährleisten eine hohe Effizienz bei geringem Arbeits- und Arbeiteraufwand. Jedoch sind sogenannte Rückegassen  noch jahrelang im Wald erkennbar, da die Vegetation aufgrund der hohen Bodenverdichtung Schwierigkeiten hat diese Gasse zurückzuerobern (vgl. HASEL u. SCHWARTZ 2002; www.thueringen.de)

Quellen

HASEL, K. u. E. SCHWARTZ (2002): Forstgeschichte ? Ein Grundriss für Studium und Praxis. Remangen.

SCHEIFELE, M. (2001): Die Flößerei im Murgtal. ? In: LORENZ, S. (Hrsg.) (2001): Der Nordschwarzwald ? Von der Wildnis zur Wachstumsregion. Filderstadt.

SCHOCH, O. (2001): Rußen, riesen, harzen ? verschwundene Waldgewerbe im Nord-schwarzwald. ? In: LORENZ, S. (Hrsg.) (2001): Der Nordschwarzwald ? Von der Wildnis zur Wachstumsregion. Filderstadt.

WIR- VERLAG WALTER WELLER (Hrsg) (1994): Schwäbische Alb ? vom Neckar zur Donau. Aalen

INTERNETQUELLEN
Badische Zeitung (2009): Die Kaiserin und die Säge.
www.badische-zeitung.de/freizeit/literatur/die-kaiserin-und-die-saege--3772098.html (Zugriff am 20.11.09)

Badische Seite (2002): Glashütten im Schwarzwald.
www.badische-seiten.de/schwarzwald/glashuette.php (Zugriff am 19.03.10)

Bergischer Baum-Service Meisterbetrieb.
bergischer-baum-service.de/Fotos/t_moku05.jpg (Zugriff am 21.11.09)

Freistaat Thüringen: Landesforstverwaltung
www.thueringen.de/de/forst/dienststellen/forstaemter/finsterbergen/content.html (Zugriff am 21.11.09)

Institut für Physische Geographie Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (2001): Webgeo: Köhlerei und Holzkohleanalyse.
www.webgeo.de/module/rahmen.php (Zugriff am 19.11.09)

Köhlerverband Romoos (2005): Köhlerei
www.koehlerei.ch (Zugriff am 19.11.09)

Schwarzwald.net ? Schwarzwald Informationen (2009): Heimat der Flößer: Der Mitt-lere Schwarzwald
www.schwarzwald.net/landschaften/mittelschwarzwald.html (Zugriff am 14.11.09)



Verfasser: B. Natterer, Lisa Petrik, J. Kimmerle, M. Schäfer, J. Hess, J. Günther