Themenbereich Geographie

Die geographische Forschung in Tübingen konzentriert sich auf das prozessbasierte Verständnis der Entwicklung von Landschaften und darauf wie diese durch natürliche und anthropogene Faktoren beeinflusst werden. Mit der Bearbeitung raumrelevanter Prozesse und Mechanismen setzen wir das Zukunftsthema Georessourcen ins Zentrum der geographischen Forschung. Die Professuren in der Physischen Geographie und der Anthropogeographie arbeiten im Rahmen dieser Mensch-Umwelt-Forschungen eng zusammen, wobei sich folgende Arbeitsbereiche ausweisen lassen:

Ausgehend von diesem Grundgebäude haben sich in den letzten Jahren verstärkt die Quantifizierung von Landschaftsfunktionen im Mensch-Umwelt-Kontext und die GIS-basierte Methodenentwicklung als Schwerpunkte heraus kristallisiert. Im Zentrum der physisch-geographischen Forschung steht die Erfassung der Beziehungen zwischen Mensch und Umwelt in Natur- und Kulturlandschaften mit den primären Ressourcen Boden und Wasser. Als interdisziplinäre Naturwissenschaft zielt sie auf das mechanistische Verständnis und die Funktions- und Wirkungsweise von Öko- und Pedosphäre. Dabei bilden raum-zeitliche Prozesse und Zustände des Ökosystems Erde den zentralen Ansatzpunkt der physisch-geographischen Forschungen.

In der Ergänzung dazu befasst sich die Anthropogeographie mit der Raumbezogenheit des Menschen, sowie den Mechanismen und Funktionen, die zur Gestaltung der Kulturlandschaft führen. Vor dem Hintergrund der Globalisierung ist es notwendig, Themen der Bevölkerungs- und Sozialgeographie, der Wirtschafts- oder Politischen Geographie in ihren regionalen und lokalen Strukturen bzw. Prozessen der Mensch-Umwelt-Beziehungen zu erforschen. Vor diesem Hintergrund bietet sich in der Anthropogeographie, ausgehend von den regionalen Ansätzen der vergangenen Jahrzehnte und der damit verbundenen funktionalen Segregation auf Basis der globalen Verteilung von Georessourcen und kulturellen sowie politischen Plattformen (man denke nur an Chinas erneutem Streben zur Weltmacht), die Zukunftsperspektive, ein innovatives Verständnis des Regions- und Transformationsbegriffs als vielschichtige temporäre Konstruktionen und Raumvariable zu entwickeln, das der Analyse und Interpretation von Mechanismen und Funktionen im System Mensch-Umwelt dient.

Verbunden sind damit die folgenden Forschungsthemen und Schlüsselqualifikationen, die weitgehend gemeinsam von Physischer Geographie und Anthropogeographie vertreten, bearbeitet und weiter ausgebaut werden:

  • GIS (Methodenentwicklung, Datenbank-Management, Fernerkundung, Kompetenzzentrum GIS als fach- und fakultätsübergreifende Organisationsstruktur und Schlüsselqualifikation in der Ausbildung)
  • Boden und Landschaft (Pedometrie, Boden-Landschafts-Modellierung, Reliefanalyse, Bodengenese, Schnittstelle zum ZAG, zur Umweltmineralogie sowie zur Petrologie)
  • Geoökologie und Geoklimatologie (Mikromorphologie, Landschaftsgenese, Globaler Wandel, Schnittstelle zur Biogeologie, Botanik und zur naturwissenschaftlichen Archäologie)
  • Transformations- und Entwicklungsländer (Human resources, IDGL-Zentrum, Megacities, Schnittstelle zur Angewandten Geologie und zu den Wirtschafts- und Kulturwissenschaften)
  • BaWü-Regionalstudien (Umweltbildung, -planung und -management, UVP, Geotourismus, Schnittstelle zur Regionalen Geologie und zur ur- und Frühgeschichte)
  • China (Biodiversitätsforschung, FOR 891, CAGEM Summerschool; wirtschaftshistorische Forschung http://www.monieseastasia.uni-tuebingen.de/)
  • Lateinamerika (Brasilien-Zentrum, Querschnittsaufgaben)

 

Neben den genannten Schnittstellen innerhalb der Geowissenschaftlichen Fakultät sind eine Vielzahl von Kooperationen mit Instituten und Arbeitsgruppen anderer Fakultäten der Universität Tübingen und weiterer Universitäten in Baden-Württemberg bereits realisiert und werden weiter ausgebaut. Besonders zu nennen sind hier die enge Zusammenarbeit der Physischen Geographie (AG Scholten) mit dem Institut für Bodenkunde und Bodenerhaltung an der Universität Hohenheim und dem Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters an der Universität Freiburg. Im Bereich der Entwicklungs- und Lateinamerikaforschung besteht innerhalb der Universität mit den Fachbereichen der Politikwissenschaften, den Wirtschaftswissenschaften, der katholischen Theologie sowie den Sprachwissenschaften über den universitären Arbeitskreis Lateinamerika eine enge Kooperation. Darüber hinaus arbeitet die Anthropogeographie mit dem Städtebau der Universität Stuttgart sowie mit der Agrarökonomie der Universität Hohenheim zusammen.