Die Besiedlung Europas: Populationsgenetische Untersuchung eiszeitlicher Jäger und Sammler in Europa (DFG KR 4015/1-1)

Trotz der jüngsten Veröffentlichungen genetischer Informationen zu ausgestorbenen Menschenformen, wie den Neandertalern und Denisova-Menschen, ist über die genetische Struktur der frühen modernen Menschen des Pleistozäns verhältnismäßig wenig bekannt. Ein Beispiel dafür ist der europäische Cro-Magnon-Mensch, der Europa vor etwa 35 000 Jahren besiedelte. Populationsgenetische Daten zu modernen Menschen des Pleistozäns würden erheblich zum Verständnis des komplexen Bildes beitragen, das sich aus den bisherigen Daten ergibt und sich aus Genfluss, genetischen Bottlenecks und Aussterbensereignissen zusammensetzt.

 

Unter Verwendung kürzlich etablierter Methoden der DNS-Anreicherung in Kombination mit Hochdurchsatz-Sequenzierung werden in diesem Projekt genetische Daten pleistozäner früher moderner Menschen aus Europa und Westasien erhoben und analysiert.

 

Erste Ergebnisse anhand mitochondrialer DNS (mtDNS) zeigen ein hohes Maß an genetischer Kontinuität früher moderner Menschen vor und nach dem letzten globalen Eismaximum (LGM) in Europa bis hin zur Neusteinzeit. Erst mit Beginn des Neolithikums kommt es zu größeren Veränderungen in der Zusammensetzung der mtDNS in Europa, wahrscheinlich verursacht durch eine Einwanderung von frühen Ackerbauern und Viehzüchtern aus dem Nahen Osten. Die genetischen Daten früher modernen Menschen erlauben es außerdem erstmals, die molekulare Uhr des modernen Menschen direkt zu kalibrieren. Dabei werden die radiokarbondatierten Skelette, aus denen die DNS gewonnen wurde, als Tip-Kalibrierung im Stammbaum verwendet.

Jungsteinzeitliche Dreifachbestattung in Dolní Věstonice (Tschechische Republik) vor etwa 31.000 Jahren (Foto: Jiří Svoboda).