Profil der Arbeitsgruppe

Die aktuelle geographische Stadtforschung ist mehrfach segmentiert. Einerseits haben wir es mit einer immer größeren Zahl von "Megacities" zu tun, andererseits spielen die Themen "Shrinking Cities" und demographische Umbrüche in westlichen Industrieländern eine zunehmende Rolle in Forschung und Planungspraxis. Überalterung, Schrumpfung und Umgang mit Diversität (z.B. im Rahmen der Integration von MigrantInnen) stehen hier im Zentrum des Erkenntnisinteresses. Natürlich spielt sich die heutige stadtgeographische Forschung nicht mehr nur in "der Stadt" ab, sondern sowohl auf der Metaebene der (Stadt-)Region als auch auf der Mesoebene des "Quartiers". Auf der Quartiersebene hat sich inzwischen eine eigene, interdisziplinäre Forschungsinitiative etabliert. Aktuelle Fragestellungen in der Stadtforschung sind darüber hinaus durch die Ambivalenzen der Globalisierung gekennzeichnet: Zum einen werden internationale Städtenetze, neue Stadthierarchien und einzelne Städte als Steuerungszentralen der Weltwirtschaft (Global Cities) immer relevanter, andererseits nimmt aber auch die Bedeutung der lokalen Ebene mit ihren kulturellen und sozialen Eigenheiten zu ("Glokalisierung").

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Auch hinsichtlich der Steuerungsmöglichkeiten gibt es differierende Perspektiven: Zum einen setzt sich die Erkenntnis durch, dass Städte eines politischen Fokus auf der nationalen oder sogar supranationalen Ebene bedürfen, andererseits werden partizipative "bottom-up"-Ansätze in der Stadtentwicklung und lokale soziale Strukturen (z.B. lokales Sozialkapital) immer bedeutsamer. Auch das Forschungsfeld "Governance", verortet irgendwo zwischen Staat und Privatsektor, spielt hier eine wichtige Rolle. Weiterhin setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass Stadt- und Quartiersentwicklung auch "nachhaltig" sein müsse. Im Kontext der Peak-Oil-Diskussion eröffnet sich ein neues Forschungsfeld, das an Relevanz zunehmen wird.

Während schließlich zum einen intensiv und pragmatisch anwendungsbezogene Stadtforschung betrieben wird (häufig als "Auftragsforschung"), gibt es zum anderen tiefgreifende theoretische Debatten, in denen sich Verfechter „moderner“ und „postmoderner“ Theorieansätze und Paradigmen voneinander abzugrenzen versuchen. Diese Theoriedebatten finden zum guten Teil im Kontext der Stadtforschung statt. Entsprechend differieren auch die Themen und die adäquaten Methodologien – eine fast unüberschaubare Forschungsvielfalt ist die Folge.

 

Diese Felder der Stadt- und Quartiersforschung stellen gleichzeitig das Forschungsinteresse des Arbeitsbereichs dar, der – ausgehend von den Kernkompetenzen geographischer Forschung – einen interdisziplinär-offenen und pluralistischen Ansatz verfolgt (vgl. Abbildung). Mit der Sprecherschaft des DGfG-Arbeitskreises Quartiersforschung und der Herausgeberschaft der gleichnamigen Reihe im VS-Verlag ist der Arbeitsbereich des Geographischen Instituts in die aktuellen Forschungsdiskurse maßgeblich eingebunden.